An Ostern ein Erdbeben

Matthäus beginnt seine Auferstehungsgeschichten mit einem Erdbeben. Wir denken bei Erdbeben an Lissabon, San Francisco und Fukushima, Matthäus denkt an Jerusalem. Wir denken bei einem Erdbeben an eine Naturkatastrophe, für Matthäus leitet das Erdbeben das Wunder der Auferstehung ein. Auferstehung ist ein Ereignis, das alles verändert, den Glauben, die Weltsicht und den Gefühlshaushalt. Bei Matthäus lesen wir als Predigttext für den Ostersonntag (Mt 28,1-10):

„Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.“

Auferstehung gibt dem Leben eine neue Richtung. Die Jünger sind ja nicht mehr in Jerusalem. Das Kreuz war für sie eine Katastrophe. Sie sind alle in ihre alte Heimat geflohen. Aber nun kommt auch hier die besondere Pointe des Matthäus, die den Frauen zuerst mitgeteilt wird: Der Auferstandene ist schon dort, er ist den Flüchtlingen vorausgeeilt.

Gott läßt sich nicht auf kleinkarierte Spielchen ein, er rechnet nicht das eine gegen das andere auf. Auferstehung ist Leben aus der Fülle Gottes. Die Flüchtlinge werden bereits erwartet. Der Engel sagt: „Er wird vor euch hingehen nach Galiläa.“ Das Entscheidende findet nicht im Himmel statt. Jesus kommt seinen ängstlichen Anhängern entgegen. Er holt sie dort ab, wo sie sich in ihrer Angst hingeflüchtet haben. Das ist die entscheidende Botschaft von Ostern: Fürchet euch nicht.

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Über Wolfgang Vögele

evangelischer Theologe, Karlsruhe
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5 Antworten zu An Ostern ein Erdbeben

  1. Bernd schreibt:

    Apropos Erdbeben, muss diese Volle-Pulle Lärmbelästigung nachts um 23Uhr eigentlich sein?

  2. air max pas cher schreibt:

    Auferstehung gibt dem Leben eine neue Richtung.

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