Lindenblüten und Weizenkörner

Mk 4

Vor der Kirche steht eine lange majestätische Reihe von Linden. Das ganze Jahr hindurch beobachte ich sie, wenn ich daran vorbeigehe, auf dem Weg zum Gottesdienst, aber auch vom Balkon aus, vom Fahrrad aus und als Fußgänger.

Die stummen Linden lehren mich, die Zeit zu verstehen. Und sie trösten mich, sie machen mich demütig. Die Linden sind Lehrmeister der Geduld. Es muß nicht unbedingt eine Linde sein. Jeder kann einen geduldigen Baum finden, der zu seinem treuen Lehrmeister wird.

Diese Linden sind schon Jahrzehnte alt. Weil sie genau in einer Reihe stehen, sind sie nicht zufällig gewachsen, es muß sie jemand gepflanzt haben. Der Landschaftsgärtner, der sie gepflanzt hat, lebt wahrscheinlich schon lange nicht mehr.

Der Predigttext für den Sonntag Sexagesimae steht in Mk 4,26-29, das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat:

„Und Jesus sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.“

Der gesamte Text der Predigt findet sich hier.

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Über Wolfgang Vögele

evangelischer Theologe, Karlsruhe
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2 Antworten zu Lindenblüten und Weizenkörner

  1. geknipselt schreibt:

    Und damit wir die Linden immer wahrnehmen, obwohl sie es nicht nötig haben, kleckseln sie ihren Saft auf unsere Autos und Häuser 😉
    ———-
    Wenn man bedenkt, wie lange V. van Gogh für den Sämann gebraucht hat, bis es ( das Bild) ihm (in verschiedenen Versionen) einigermaßen richtig erschien….dann hat er, wie auch sonst in seinem Leben, sehr viel Geduld gebraucht. Und sein Umfeld auch…
    Anders als es den Linden ergeht, brauchte er die Aufmerksamkeit, die er nie zu Lebzeiten bekam.
    Die „göttl. Vollkommenheit“ sah ( und sieht?!) er in der gelben Sonne.
    Und wir warten geduldig auf den Frühling…zum Säen und fürs Gemüt.
    Schön, daß wir hier lesen können!
    Lg
    die NICHT heuschnupfengeplagte Tina D.

    • Wolfgang Vögele schreibt:

      Vielen Dank. Ich wußte gar nicht, daß van Gogh so lange für sein Bild gebraucht hat. Ich habe darüber schon einmal in einer Predigt geschrieben, ich muß das noch einmal heraussuchen und posten.
      Viele Grüße
      wv

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