Brot und Barmherzigkeit

Die biblische Geschichte von der Speisung der 5000 hat Kinder schon immer fasziniert – und Erwachsene ebenso. Ein Wunder, das in alle Richtungen ausstrahlt. Deswegen haben sich die Kinder der Christusgemeinden gestern beim Kindertag in Bastel-, Spiel- und Erzählgruppen mit dieser Speisung der 5000 beschäftigt. Im Markusevangelium wird die Geschichte so (Mk 6,30-44) erzählt:

„Und die Apostel kamen bei Jesus zusammen und verkündeten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Und er sprach zu ihnen: Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zum Essen. Und sie fuhren in einem Boot an eine einsame Stätte für sich allein. Und man sah sie wegfahren, und viele merkten es und liefen aus allen Städten zu Fuß dorthin zusammen und kamen ihnen zuvor. Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing eine lange Predigt an.

Als nun der Tag fast vorüber war, traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Es ist öde hier und der Tag ist fast vorüber; lass sie gehen, damit sie in die Höfe und Dörfer ringsum gehen und sich Brot kaufen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Und sie sprachen zu ihm: Sollen wir denn hingehen und für zweihundert Silbergroschen Brot kaufen und ihnen zu essen geben? Er aber sprach zu ihnen: Wie viel Brote habt ihr? Geht hin und seht! Und als sie es erkundet hatten, sprachen sie: Fünf und zwei Fische. Und er gebot ihnen, dass sie sich alle lagerten, tischweise, auf das grüne Gras. Und sie setzten sich, in Gruppen zu hundert und zu fünfzig. Und er nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie unter ihnen austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle. Und sie aßen alle und wurden satt. Und sie sammelten die Brocken auf, zwölf Körbe voll, und von den Fischen. Und die die Brote gegessen hatten, waren fünftausend Mann.“

Genauso reichlich wie Jesus Fische und Brote gibt, verteilt Gott Gerechtigkeit, Nähe, Barmherzigkeit, Gnade. Der Gott Jesu Christi lädt die Menschen zu einem Fest. Deswegen ist die Frage, ob dieses Wunder wirklich geschehen ist, auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist der Gedanke, daß Gott keine Zurückhaltung übt. Mit seiner Gnade und seiner Barmherzigkeit geht er ganz verschwenderisch um, sozusagen mit großer Geste. An der Geschichte von der Speisung der Fünftausend lernen wir die Speisenfolge der Barmherzigkeit kennen. Barmherzigkeit ist kein leerer Gedanke, sondern eine Einladung zum Essen. Und die Barmherzigkeit Gottes geht durch den Magen. Und von dort aus ergreift sie den Menschen mit Leib und Seele.

Eine weitere Predigt über die Speisung der 5000, zum Paralleltext aus dem Lukasevangelium (Lk 9,10-17) findet sich hier.

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Über Wolfgang Vögele

evangelischer Theologe, Karlsruhe
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