Alle Kinder lieben Zachäus

Kleine Kinder brauchen Vorbilder, Geschichten, Erzählungen. In den Geschichten finden sie kleine und große Menschen, die sie bewundern, denen sie nacheifern, an denen sie sich orientieren, selbst wenn diese Geschichten und Erzählungen nicht ganz mit dem übereinstimmen, was die zuhörenden Kinder in der Wirklichkeit erleben. Pippi Langstrumpf gehört zu diesen Figuren, deren Geschichten die Kinder lieben. Sie macht, was sie will, sie ignoriert den Piratenvater, die trotteligen Polizisten und die strengen Lehrerinnen. Sie ist eine Göre, die einfach alles besser weiß als die Erwachsenen. Darüber können auch kleine Kinder lachen, die selbst gerne alles besser wüßten als die Erwachsenen.

Aus solchen Gründen lieben Kinder auch den Zachäus, nicht weil er ein reicher Zöllner war, ein abhängiger Beamter der römischen Besatzungsmacht. Den Kindern, die diese Geschichte hören, fällt auf: Zachäus war klein. Und auch Kindern sind klein, und das macht ihnen manchmal Schwierigkeiten. Denn wer klein ist, der kann nicht richtig sehen, dem versperren die Großen die Sicht. Wer klein ist, der wird nicht für voll genommen in der Welt der großen Erwachsenen, der bleibt zurück. Um so mehr bewundern Kinder dann diejenigen, die den Mut und die Kühnheit besitzen, mit Tricks und Schläue den Nachteil ihrer fehlenden Größe zu überwinden und dann den Größeren, Erwachseneren und Älteren eine lange Nase zu drehen.

Der Predigttext für diesen Sonntag steht in Lk 19,1-10:

„Und Jesus ging nach Jericho hinein und zog hindurch. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“

Aus dem gewitzten Kinderhelden, der um zu sehen, auf den Maulbeerbaum klettert, wird ein glaubender Mensch, der bei  Gesprächen und Essen Gemeinschaft mit Jesus pflegt. Und er zieht aus der neuen Gemeinschaft Konsequenzen. Darüber will ich in der Predigt nachdenken.

 

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Über Wolfgang Vögele

evangelischer Theologe, Karlsruhe
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