Glaubenswege – Gehwege

Vollbildaufzeichnung 15.01.2014 093214-001

Glauben ist zuallererst Bewegung, ist Laufen. Läufer haben die Arme angewinkelt, um mit Schaukelbewegungen die Beine zu unterstützen. Beim Laufen fliegt – anders als beim Gehen – stets ein Bein in der Luft, während sich das andere vom Boden abstößt. Die Knie sind nur einen Moment lang gestreckt, bevor sie sich wieder anwinkeln. Läufer müssen sich konzentrieren, nicht auf die Laufbewegungen der Beine, denn die sind ihnen von Kindheit an in Fleisch und Blut übergegangen.
Läufer konzentrieren sich auf den Weg. Sie achten darauf, nicht zu stolpern. Damit die Füße fest auftreten können, dürfen die Knie nicht schlottern. Wer mit “sicheren Füßen” auf den Boden treten will, dessen Knie dürfen nicht “wanken”, heißt es im Hebräerbrief, im Predigttext für den 2.Sonntag nach Epiphanias (Hebr 12,12-25):

Darum stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und macht sichere Schritte mit euren Füßen, damit nicht jemand strauchle wie ein Lahmer, sondern vielmehr gesund werde. Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird, und seht darauf, dass nicht jemand Gottes Gnade versäume; dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse und Unfrieden anrichte und viele durch sie unrein werden; dass nicht jemand sei ein Abtrünniger oder Gottloser wie Esau, der um der einen Speise willen seine Erstgeburt verkaufte. Ihr wisst ja, dass er hernach, als er den Segen ererben wollte, verworfen wurde, denn er fand keinen Raum zur Buße, obwohl er sie mit Tränen suchte. Denn ihr seid nicht gekommen zu dem Berg, den man anrühren konnte und der mit Feuer brannte, und nicht in Dunkelheit und Finsternis und Ungewitter und nicht zum Schall der Posaune und zum Ertönen der Worte, bei denen die Hörer baten, dass ihnen keine Worte mehr gesagt würden; denn sie konnten’s nicht ertragen, was da gesagt wurde (2.Mose 19,13): »Und auch wenn ein Tier den Berg anrührt, soll es gesteinigt werden.« Und so schrecklich war die Erscheinung, dass Mose sprach (5.Mose 9,19): »Ich bin erschrocken und zittere.« Sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu den vielen tausend Engeln und zu der Versammlung und Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel aufgeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu dem Mittler des neuen Bundes, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das besser redet als Abels Blut. Seht zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet. Denn wenn jene nicht entronnen sind, die den abwiesen, der auf Erden redete, wie viel weniger werden wir entrinnen, wenn wir den abweisen, der vom Himmel redet.

Irgendwann will der Glaube an das Ende seines Weges kommen. Die Pilgerreise des Lebens soll ein Ende haben. Der Hebräerbrief sagt: Glaubende Geher sehen schon das Ziel. Dieses Ziel ist ein Berg, der Zionsberg. Oben auf dem Gipfel liegt das himmlische Jerusalem, die Stadt Gottes. Dort pflegen Engel und Glaubenden tröstliche Gemeinschaft. Das ist ein großartiges Bild für die Hoffnung, die den Glauben antreibt.

Die ganze Predigt ist hier zu lesen.

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Über Wolfgang Vögele

evangelischer Theologe, Karlsruhe
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3 Antworten zu Glaubenswege – Gehwege

  1. minibares schreibt:

    Glauben ist Laufen, das sagt mir aber gar nicht zu.
    Mit meinem lahmen Bein kann ich da nicht mithalten.
    Trotzdem gehe ich weiter regelmäßig zur Kirche, auch zum Kirchenchor.
    Im irdischen Jerusalem war ich schon 😉

    • Wolfgang Vögele schreibt:

      Sie haben recht, das Bild vom Laufen paßt nicht für jeden gleichermaßen. Aber es geht ja auch nicht nur um das physische Laufen, sondern um eine Beweglichkeit des Glaubens, die sich nicht in Grübelei verliert. Und das, bin ich sicher, trifft auf Sie zu, in all Ihrer Vorfreude auf das himmlische Jerusalem. Herzliche Grüße Wolfgang Vögele

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