Tägliche Schreibübung

Tagebücher enthüllen stets etwas, meist dem neugierigen, heimlichen Leser. In der Gegenwart ist diese Dialektik von Enthüllen und Verbergen aufgehoben, sagt der Schriftsteller Kurt Drawert in einem spannenden Essay in der NZZ (Die Tautologie der Indiskretion). Denn wenn alles via Facebook und Twitter schon enthüllt ist, dann bringt das Tagebuch nichts mehr Neues. Aber hat er damit recht?

Wenn alles gepostet und getwittert wird und die belegte Zunge am Morgen sofort auf den Smartphones der tausend Freunde erscheint, welches Tabu gäbe es hier noch zu brechen, welche Geschmacklosigkeit zu überbieten, welche sexuelle Begierde ans Licht einer notorisch unterbefriedigten Öffentlichkeit zu bringen? Die Maske fällt ab und zeigt, dass hinter ihr nichts ist.

Nicht alle unterwerfen sich dem Öffentlichkeitsdiktat von Twitter und Facebook. Außerdem kann es spannend und amüsant sein, in alten Tagebüchern zu lesen (hier ein Beispiel).

 

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Über Wolfgang Vögele

evangelischer Theologe, Karlsruhe
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