Globalisierung aus Galiläa

Pfingsten

Die Sprache und der Heilige Geist sind auf das engste miteinander verknüpft. Wie die Sprache sorgt auch der Heilige Geist für Verständigung und Orientierung, im Glauben sehr viel mehr als in der Lebenswelt. Die Verständigung, die mit Hilfe des Heiligen Geistes geschieht, schafft etwas Neues, eine geistliche Gemeinschaft der Freiheit, des Vertrauens und der gegenseitigen Wertschätzung. Das geschieht, indem der Geist eine neue Sprache stiftet.

Das zeigt sich im Predigttext für den Pfingstsonntag (Apg 2,1-21.36):

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein. Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe der große Tag der Offenbarung des Herrn kommt. Und es soll geschehen: wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.« So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.“

Diese Kraft des Heiligen Geistes strahlt nicht nur auf die Jünger aus. Gott hat sie allen Menschen verheißen, die in der Nachfolge der Jünger in christlichen Gemeinden leben, in der gesamten Ökumene. Es kommt entscheidend darauf an, den Geist zu empfangen. Wer versucht, ihn durch Höchstleistungen und anstrengende Werke herbeizuarbeiten, der wird scheitern, weil er nur Hierarchien befestigt und Grenzmauern erhöht. Wer aber auf den Geist warten kann, dem ist eine Kraft Gottes verheißen.

Der gesamte Text der Predigt ist hier zu lesen.

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Über Wolfgang Vögele

evangelischer Theologe, Karlsruhe
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