Hermann Lübbe zum Neunzigsten!

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Heute, am letzten Tag des alten Jahres feiert der Philosoph Hermann Lübbe seinen neunzigsten Geburtstag! Herzliche Glückwunsche und alles Gute für das kommende Jahr! Der letzte Artikel von ihm, den ich gefunden habe, stammt aus dem Jahr 2015. Leider scheint im Netz kein lizenzfreies Bild von ihm verfügbar, die anderen Bilder kann man aber leicht über Google finden.

Ansonsten zitiere ich aus meiner Dissertation (mit Kürzungen):

„Als ‚Freund der Religion‘ hat sich Hermann Lübbe, Professor für Philosophie und politische Theorie in Zürich, einmal bezeichnet. Die Themen, denen sich Lübbe in Aufsätzen und Vorträgen, in Büchern und Zeitungsartikeln widmet, umfassen ein denkbar weites Spektrum: Er analysiert Demoskopie und Denkmalschutz, behandelt Technokratie, Terrorismus und Theodizee, schreibt über Gegenaufklärung und Geschichtsphilosophie, über Common Sense und Kompensationstheorie. Die Liste der Stichwörter ließe sich beliebig erweitern. Zu den Philosophen, Soziologen und Schriftstellern, mit denen sich Lübbe in Publikationen beschäftigt hat, gehören Ernst Cassirer und Max Weber, Emil Du Bois-Reymond und Theodor Fontane, Wilhelm Schapp und Helmut Schelsky, Carl Schmitt und Oswald Spengler. Auch diese Namensliste könnte erweitert werden. Der Horizont, den Lübbes philosophisches und zeitdiagnostisches Werk abschreitet, ist denkbar weit gesteckt.

Literarisch artikuliert er seine Themen in ganz verschiedenen Formen: Er beherrscht sowohl den Essay als auch den darstellenden Aufsatz, er wechselt zwischen Polemik, Irenik und sachlicher Argumentation; er veröffentlicht Reden und Vorträge ebenso wie Stellungnahmen, Thesen und Diskussionsbeiträge, denn er ist präsent auf Symposien, Kongressen und in wissenschaftlichen Arbeitsgruppen. Seine Leitartikel und Pamphlete, seine Glossen und Aufsätze erscheinen in Tageszeitungen wie der FAZ, der Süddeutschen Zeitung, der Neuen Zürcher Zeitung und der ‚Welt‘ sowie in Wochenzeitungen wie dem Rheinischen Merkur. Seine Aufsätze werden nicht nur in philosophischen Fachzeitschriften publiziert, sondern auch in theologischen, kulturellen, soziologischen und politikwissenschaftlichen Periodika. Um es auf einen bewundernd-ironischen Begriff zu bringen: Lübbe ist ein Publikationsvirtuose, und zu dieser Virtuosität gehört unter anderem die Kunst, eigene Texte mehrfach zu verwerten. In Lübbes Worten: „Prominent ist, wer nicht vermeiden kann, sich zu wiederholen.“

Lübbe hat eine ganze Reihe von Neologismen geprägt, die sich aus vielen seiner Arbeiten herausheben. Wo von Zukunftsgewißheitsschwund oder von Gegenwartsschrumpfung die Rede ist, von Mehrheitskulturdissidenten oder von Erfahrungsverlusten, von Zivilisationsdeserteuren und Kontingenzprotestlern, da war Hermann Lübbe in seinem wortschöpferischen Element.“

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Über Wolfgang Vögele

evangelischer Theologe, Karlsruhe
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