Gottes Recht und das Unbehagen an der Politik

Dtn predigt

 

Der Predigttext für den nächsten, den 6.Sonntag nach Trinitatis steht im Deuteronomium (Dtn 7,6-12):

„Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der Herr euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So sollst du nun wissen, dass der Herr, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der Herr, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.“

Wenn Gott mit Israel einen Bund schließt, dann verbindet er Recht und Barmherzigkeit. Recht beruht nicht auf Macht, sondern auf Gottes gnädigem Willen. Was aber geschieht dann mit all den anderen Völkern? Noch im Alten Testament wird diese Linie, die sich im 5.Buch Mose andeutet, weitergeführt und verfeinert, zum Beispiel zur Vorstellung einer Völkerwallfahrt zum Zion, wo Gott die Menschen versammelt, um allen, nicht nur Israel und den Glaubenden, seine Gnade zu offenbaren. Der Bund Gottes mit den Menschen wird in Leben, Sterben und Auferstehen des Jesus von Nazareth weitergeführt. Die Bibel ist kein nationalistisches Buch. In ihr findet sich eine stetige Entwicklung zu einem vorher nicht gekannten Universalismus: Alle Menschen sind Gottes Ebenbild. Alle Menschen sind angewiesen auf das Recht und die Barmherzigkeit Gottes. Das gilt für Russen und Ukrainer, Sunniten und Schiiten, Araber und Iraner, für Glaubende wie Nichtglaubende, für Juden und Christen. Es gilt, weil Gott es verheißen hat. Es gilt auch dann, wenn Außen-, Wirtschafts- und Europapolitik in die Richtung von Störungen und gefährlichen Konflikten führen und zum Pessimismus verleiten. Der Trost Gottes zielt auf die Menschen in ihrer Würde und auf das Recht, das diese gemeinsame Würde aller bewahrt.

Der ganze Text der Predigt findet sich hier.

 

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Über Wolfgang Vögele

evangelischer Theologe, Karlsruhe
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