Seminar Ethik der Sexualität – WS 2016-2017

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Im Seminar werden wir uns mit neuen Entwürfen der evangelischen Sozialethik auseinandersetzen. Das schließt ein die neueren Verlautbarungen der EKD zum Thema, eine Übersicht über grundsätzliche Neuentwürfe, die in der letzten Zeit erschienen sind und eine Auswahl der aktuellen Themenfelder, die wir behandeln können. Die folgenden Anmerkungen dienen einer ersten Orientierung und helfen Ihnen bei der Entscheidung, ob Sie an diesem Seminar teilnehmen wollen.

Dieses Seminar findet im Wintersemester 2016-2017 statt. Es beginnt in der ersten Semesterwoche. Der Ort wird noch bekanntgegeben.

Seminarplan: Bei der nächsten Sitzung (24.10.) werden wir das erste Kapitel aus dem unten angegebenen Buch von Isolde Karle lesen. Danach folgen Abschnitte aus den sexualethischen Entwürfen von Peter Dabrock et al. (31.10) und Wolfgang Trillhaas (6.11.) und /oder einer der einschlägigen Denkschriften der EKD . Im zweiten Block folgen Texte zum Thema Homosexualität/gleichgeschlechtliche Partnerschaften .

Bei der Sitzung am 13.11. werden wir die Orientierungshilfe der EKD zur Familie behandeln. Danach stehen drei Sitzungen (20.11., 27.11., 4.12.) zum Thema Homosexualität und gleichgeschlechtliche Partnerschaften).

Für die Sitzung am 20.11. ist die Textgrundlage der Brief der emeritierten evangelischen Bischöfe zum Thema Homosexualität. Danach folgt der Aufsatz von Hartmut Kress, den Sie im Internet finden, und am 5.12. das Gutachten über Homosexualität und die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, das ich für die Badische Landeskirche angefertigt habe.

Lust und Begehren: Es kam der Wunsch auf, auch über das anthropologische und psychologische Thema von Lust und Begehren zu sprechen. Bitte schauen Sie sich diesen kurzen Artikel von Carolin Emcke an.

Homosexualität: Wir sprachen über einen amerikanischen Pfarrer, der einen offenen Brief schrieb zur Frage der Homosexualität. Diesen Brief finden Sie hier. Ein Kommilitone erwähnte Valeria Hincke, die auch aus dem evangelikalen Bereich kommt und sich mit dem Thema auseinandersetzt (hier Informationen).

Männerbünde, Männergemeinschaften: Bei der Sitzung zur Ethik von Wolfgang Trillhaas kamen wir auf das Thema Männerbünde. Ich weise Sie nochmals auf die Literatur hin: Nicolaus Sombart, Die deutschen Männer und ihre Feinde, Frankfurt/M. 1997 sowie Ulrich Raulff, Kreis ohne Meister, München 2009 (Rezension)

Wolfgang Trillhaas: Informationen über den Göttinger Sozialethiker Wolfgang Trillhaas finden Sie in diesem Lexikonartikel und in einer Vorlesung von Reiner Anselm. Für letztere googeln Sie am besten gleichzeitig Reiner Anselm und Wolfgang Trillhaas. Der Link läßt sich nicht kopieren.

Begehren: Ich hatte Sie auf die Schriften der diesjährigen Friedenspreisträgerin Carolin Emcke hingewiesen. Auch in ihrer Rede aus Anlaß der Verleihung dieses Preises ging Emcke auf die Themen ein, die im Zusammenhang unseres Seminars interessant sind.

Erste Sitzung: Bei der ersten Sitzung werde ich mit den Teilnehmern einen Seminarplan erarbeiten. Dabei werden die Interessen der Teilnehmer mit in den Seminarplan einfließen.

In den folgenden Abschnitten finden Sie wissenschaftliche Literatur, von der wir einen Teil im Seminar lesen werden. Dazu kommen auch andere Texte (Interviews, Filmtrailer, Blogs), die sich eher für die Vorbereitung eignen.

Sexualität und Gesellschaft: Für eine erste Information eignen sich gut die Themenhefte der Zeitschrift „Aus Politik und Gesellschaft“, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung: besonders die Hefte zu Homosexualität, Geschlechtsidentität, Mannsbilder, Sexismus, Prostitution, Geschlechtergerechtigkeit, Gewalt im Geschlechterverhältnis.

Sexualethische Entwürfe: Nach der schwierigen Diskussion über die Orientierungshilfe zur Familie zog die EKD eine weitgehend fertiggestellte Denkschrift zur Sexualethik wieder zurück. Einer der Hauptverfasser, Peter Dabrock, hat dazu ein aufschlußreiches Interview gegeben.  Trotzdem erschien diese Schrift dann als eigenständiger Entwurf unter dem Namen der Verfasser: Peter Dabrock et al., Unverschämt – schön. Sexualethik: evangelisch und lebensnah, Gütersloh 2015.

Ein Jahr zuvor bereits hatte Isolde Karle einen ähnlichen sozialethischen Entwurf vorgelegt. Isolde Karle, Liebe in der Moderne. Körperlichkeit, Sexualität und Ehe, Gütersloh 2014. Dazu könnte noch kommen: Frank Surall, Ethik der Lebensformen [Lebensstufen, Sexualität, Ehe, Familie u.a.], in: Handbuch der Evangelischen Ethik (HEE), hg. v. W.Huber et al., München 2015,  451-516.

Die erste Denkschrift der EKD zur Sexualethik erschien im Jahr 1971. Der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch hat sie damals im „Spiegel“ heftig kritisiert.

Familie: Die Diskussion wurde erheblich befeuert durch die umstrittene Orientierungshilfe über Familie, die die EKD im Sommer 2013 herausgegeben hat. Dieser Text wurde auch innerhalb der EKD diskutiert. Der EKD-Text ist von evangelikaler Seite stark kritisiert worden, zum Beispiel hier. Soziologische Informationen zum Thema Ehe und Familie finden sich in diesem Gutachten. Dazu kommen eine Fülle sozialethischer Reflexionen aus klassischen ethischen Entwürfen wie Rendtorff und anderen.

Homosexualität: Die EKD hat sich zuletzt 1996 zum Thema Homosexualität geäußert, in einem EKD-Text mit dem Titel „Mit Spannungen leben„. Der Text ist mittlerweile überholt, aber trotzdem noch aktuell, weil die meisten neueren Stellungnahmen kritisch oder zustimmend darauf Bezug nehmen. Einen Überblick über die neuere Diskussion zur Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften  finden Sie in dem Gutachten „Homosexualität und Theologie„, das ich für die Badische Landeskirche erstellt habe. Die evangelikale Kritik an den Segnungen findet sich zum Beispiel in einem Papier Gerrit Hohages vom Juni 2015: Sagt die Bibel etwas zu heutiger (partnerschaftlich gelebter) Homosexualität?

Transsexualität: Es hilft, wenn Sie sich zur Vorbereitung den Film „The Danish Girl“ des Regisseurs Tom Hooper (website mit Trailer) anschauen. In der Sozialethik ist dieses Thema noch nicht richtig angekommen.  Eine erste Sichtung versuchte ein großer Kongreß in Frankfurt im Februar 2016. Es ist unwahrscheinlich, daß bis zum Seminarbeginn der Kongressband mit den Vorträgen schon erschienen ist. Ein interessantes Blog zum Thema Transsexualität betreibt die Pfarrerin Dorothea Zwölfer. Transsexualität ist von Intersexualität zu unterscheiden, zu letzterem hat der Deutsche Ethikrat eine ausführliche Stellungnahme vorgelegt.

Damit sind bei weitem noch nicht alle Stichworte der verschiedenen Debatten aufgezählt. Hier eine kleine Sammlung:

Gesellschaftliche Debatten:Sexuelle Belästigung, Körper und Körperlichkeit, Prostitution, Pornographie, Verhältnis von Mann und Frau, Genderforschung, sexuelle Diskriminierung ….

Kirchliche und sozialethische Debatten: die Position der katholischen Kirche in all diesen Fragen, ökumenische Positionen (Verurteilung der Homosexualität in afrikanischen Kirchen), Zölibat, Ehe als Schöpfungsordnung …

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