Seminar Anthropologie – SS 2017

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Vor den Erläuterungen zum Seminar eine kurze Einladung zu einem sehr empfehlenswerten Vortrag: Am 20.April 2017 um 19.00 Uhr hält der Kieler Philosoph Martin Sommer einen öffentlichen Abendvortrag mit dem Titel „Wahrnehmung im Fluß – Einbildungskraft und Realitätsbezug“. Der Vortrag findet statt in der Alten Aula der Universität. Er ist Bestandteil einer Tagung zum Thema „Anthropologie der Wahrnehmung“, welche die Forschungsstätte der Ev. Studiengemeinschaft und das Marsilius Kolleg veranstalten.

Im Brockhaus-Konversationslexikon von 1911 heißt es im Artikel „Mensch“: „[D]er höchst entwickelte lebende Organismus, gehört in die Klasse der Säugetiere, unter denen ihm die Affen und unter ihnen wieder die Menschenaffen zunächst stehen; ausgezeichnet und von allen Tieren unterschieden durch die besondere Entwicklung seines Gehirns, die lückenlose Zahnreihe mit nicht hervorragenden Eckzähnen, die eigentümliche Behaarung, den aufrechten Gang, den Gebrauch der Hände, die Sprache.“

Über den Menschen läßt sich noch einiges mehr sagen, in theologischer, ethischer und juristischer Sicht. Der Beitrag der Theologie am interdisziplinären Dialog über die Anthropologie wird gern in Gestalt eines „Menschenbildes“ beschrieben. Dieser Ausdruck erscheint allerdings problematisch, weil er statisch von einem fixierten „Wesen“ des Menschen ausgeht.

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Das Seminar findet statt am Montag, von 16.00-18.00 Uhr im ÜR II der Kisselgasse. Es beginnt am 24.April 2017.

Im Seminar sollen vier Schwerpunkte gesetzt werden: klassische (1) und aktuelle (2) Entwürfe theologischer Anthropologie. Diese sollen in Beziehung gesetzt werden zu Entwürfen philosophischer Anthropologie (3). In einem letzten Schritt soll der interdiszplinäre Dialog (4) zwischen theologischen und nicht-theologischen Entwürfen betrachtet werden.

Theologisch sind dabei besonders wichtig die Bestimmungen des Menschen zum einen als Gottes Ebenbild (Gottebenbildlichkeit), zum anderen als Sünder. Es unterscheidet die Theologie von anderen Wissenschaften, daß sie den Menschen in einer Position vor Gott (coram Deo) sieht.

Philosophisch sind von Bedeutung die Fragen nach der Person oder Personalität des Menschen, nach seiner Individualität, nach Weltoffenheit und Exzentrizität.

Die Auswahl der zu besprechenden Entwürfe soll je nach den Interessen der Studierenden getroffen werden.

  1. Als klassische theologische Entwürfe kommen in Betracht: Martin Luther, Schleiermacher, Karl Barth oder Paul Tillich. Dazu könnten treten Überlegungen zum Thema der Anthropologie im Alten und Neuen Testament.
  2. Als aktuelle Entwürfe theologischer Anthropologie könnte man diskutieren: Wolfhart Pannenberg, Gerhard Ebeling. Dazu könnten aktuelle katholische Entwürfe kommen.
  3. Aus der Philosophie kämen in Betracht: Helmuth Plessner, Arnold Gehlen, Hans Jonas.
  4. Für die interdiszplinären Dialog wären interessant der Diskurs über die Menschenwürde im Grundgesetz oder die Diskussion über das „Menschenbild“ des Rechts bzw. verschiedener Wissenschaften.

Es ist aber auch denkbar literarische Texte für die Diskussion über Menschenbild und Anthropologie fruchtbar zu machen.

Literatur:

Dies ist nur eine erste kurze Auswahl. Weitere Literatur wird im Seminar genannt.

Rudolf Bultmann, Theologie des Neuen Testaments, Tübingen 1977 (7.Aufl.)

Gerhard Ebeling, Dogmatik des christlichen Glaubens, Tübingen 2012 (4.Aufl.)

Wolfhart Pannenberg, Anthropologie in theologischer Perspektive, Göttingen 1983

Wolfgang Reinhard, Lebensformen Europas. Eine historische Kulturanthropologie, München 2006

Hans Walter Wolff, Anthropologie des Alten Testaments, Neukirchen 1973

Wolfgang Vögele, Menschenwürde zwischen Recht und Theologie, ÖTh 12, Gütersloh 2000