Stilleben mit Tieren

In der Karlsruher Kunsthalle findet zur Zeit eine ungewöhnliche Ausstellung statt: Unter dem Titel „Von Schönheit und Tod“ werden Tierstilleben gezeigt. Zuerst stutzt man beim Gedanken an eine Ausstellung, welche die Bilder lauter toter, gejagter, geangelter, gerupfter und zum Braten fertig gemachter Tiere zeigt. Aber dann schaut man sich die Bilder all der Speise- und Vorratskammern an, die Metzgereien und Fischverkaufsstände, die Jäger und die Fischer, die ihre Jagd- und Angelausbeute präsentieren – und der Betrachter ist von der Ambivalenz dieser Bild seltsam berührt und fasziniert. Vielen Malern, die oft auf solche Stilleben spezialisiert waren, gelingt es, die ganz eigene Würde dieser toten Lebewesen malerisch darzustellen. Das Tier, das nicht mehr lebt, ist plötzlich vielmehr als der erjagte und zum Verzehr vorbereitete Gegenstand. In dem toten Tier vermischen sich – wie der Titel der Ausstellung sagt – Schönheit und Tod.

Menschen sind in der Regel aus diesen Bildern ausgeschlossen. Diese Stilleben sind keine Werbung für das vegetarische Essen, sie sind eine Auseinandersetzung mit Tod und Sterben, aber eben nicht mit dem Sterben des Menschen. Der Gedanke daran wird auf das Tier verschoben. Wer Tiere, Pfirsiche und Artischocken in einer Speisekammer malt, der stellt nicht nur Dinge und tote Lebewesen dar, sondern der verweist auf anderes: die Jagd, das Essen, das Wohnen und Vorräteanlegen, auf die Vergänglichkeit und Vergeblichkeit des Lebens.

Wenn biblische Motive in diesen Tierstilleben vorkommen, so sind sie in der Regel mit der Geschichte von Maria und Martha verbunden.

Am Sonntag, 4.Dezember 2011 findet um 15.30 Uhr innerhalb der Reihe „Kunst und Kirche“ eine Führung durch die Ausstellung statt. Die Leitung hat Pfn. Kira Busch-Wagner.

Zur Ausstellung ist ein hervorragender, detaillierter Katalog erschienen, der solche Stilleben kulturhistorisch einordnet.

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Über Wolfgang Vögele

evangelischer Theologe, Karlsruhe
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