Goldenes Kalb

In diesem Jahr wird das Jubiläum 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland gefeiert. Daran beteiligen sich auch die Kunsthalle Karlsruhe und der Arbeitskreis ‚Kunst und Kirche‘ mit einer Reihe von digitalen Führungen. Bei der zweiten Führung in dieser Reihe steht ein Bild des Barockmaler Claude Lorrain (1600-1682) im Mittelpunkt: Die Anbetung des Goldenen Kalbes.

Das Karlsruher Bild zeigt die Szene in einer großartigen idyllischen Landschaft und erzählt ebenso die biblische Geschichte (Ex 32).

Wer jetzt neugierig geworden ist oder wer am Dienstag nicht kommen kann, der kann sich hier, auf Google Arts Project, das Bild genauer ansehen.

Termin: 21.September 2021, 19.00 Uhr

Diskussion: Prof. Dr. Annette Weber, Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg; Prof. Dr. Holger Jacob-Friesen, Kunsthalle Karlsruhe, PD Dr. Wolfgang Vögele, Karlsruhe.

Anmeldung: Die Führung findet digital statt. Bitte schreiben Sie zur Anmeldung eine Mail an info@kunsthalle-karlsruhe.de. Sie erhalten einen Zugangscode für die Video-Sitzung.

Veröffentlicht unter Kultur | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Mose steigt hinauf

Der 10.Sonntag nach Trinitatis wird in der evangelischen Kirche in der Regel als Israel-Sonntag begangen. In den letzten Jahrzehnten haben sich der liturgische und homiletische Charakter dieses Sonntags sehr gewandelt. Der Predigttext für den 8.8. 2021 steht Ex 19,1-6:

„Im dritten Monat nach dem Auszug der Israeliten aus Ägyptenland, an diesem Tag kamen sie in die Wüste Sinai. Sie brachen auf von Refidim und kamen in die Wüste Sinai, und Israel lagerte sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge. Und Mose stieg hinauf zu Gott. Und der Herr rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und den Israeliten verkündigen: Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht. Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. Das sind die Worte, die du den Israeliten sagen sollst.“

Die Spannung zwischen der Klage über das, was geschehen ist, dem Wunsch nach Gerechtigkeit, die angesichts von Tod und Leid eigentlich gar nicht wieder hergestellt werden kann, sie ist schier nicht auszuhalten. Trotzdem, die Hoffnung des Glaubens gilt dem Gott, der befreit und auferstehen läßt, der sich an seine Zusagen und Verheißungen hält. Wer trotzdem – und dieses ‚TROTZDEM‘ muß mit großen Buchstaben geschrieben werden – an Gottes Verheißungen glaubt, richtet seine Hoffnung auf den, der mit Israel einen Bund schließen will und dann alle anderen Völker daran teilhaben läßt.

Der ganze Text der Predigt ist hier zu lesen.

Veröffentlicht unter Predigt | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Eisern Union?

Das neue Heft der Zeitschrift „tà katoptrizómena“ ist dem Thema „Union“ gewidmet. Theologisch hat der Begriff seit dem Anfang des 19.Jahrhunderts seinen besonderen Sinn, obwohl er auch in der Wirtschaft, in der Kultur und bei Fußballvereinen in Gebrauch ist. Unter dem Titel „Eisern Union? Evangelische Bekenntnisse und Glaubenswahrheiten
unter den Bedingungen des Pluralismus“ habe ich versucht, die Frage zu beantworten, wieviel Pluralismus und wieviel Konsens eine evangelische Kirche braucht. Es lag nahe, dies am Beispiel der Unionsurkunde der Badischen Landeskirche durchzuspielen. Daß die entsprechenden Marketingkampagnen, die in diesem Blog und der Zeitschrift ‚tà katoptrizómena‘ schon ausführlich kritisiert wurden (hier und hier), die theologischen Fragen nur in weichgespülter Form darstellen, muß nicht eigens erwähnt werden.

Veröffentlicht unter Theologie | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Aufrecht und im Gleichgewicht

Das Ende der Bergpredigt, vorgesehen als Predigttext für den 9.Sonntag nach Trinitatis, ist das Gleichnis vom klugen und törichten Hausbauer, das ich durch einen Surfer, der die Balance hält, ergänzt habe. Der Predigttext steht Mt 7,24-27:

[Jesus sagt:] „Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.“

Jesus wirbt für ein Leben im Offenen, Freien, Ungewissen, eher an der frischen Luft als im Mief geschlossener Räume. Dafür brauchen sie Stützen, die Häuslebauer, die Surfer und die Glaubenden: zuerst das Gebet, dann das Gottvertrauen und schließlich die Solidarität der Gemeinde. All das bringt uns getröstet und begnadet, vor allem aber aufrecht und ausbalanciert durchs Leben.

Der gesamte Text der Predigt ist hier zu lesen.

Veröffentlicht unter Predigt | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Summer reading list 2021

Barack Obama hat damit angefangen, aber schnell wieder aufgehört. Ich finde es eine sehr schönen Idee, Vorschläge zur Sommerlektüre hier aufzulisten. Die Leselisten der letzten drei Jahre kann man hier anklicken: 2020, 2019, 2018. Wie in jedem Jahr beschränke ich mich auf fünf Titel, manche nicht aktuell, aber in jedem Fall lesenswert.

Barack Obama hat schon vor Jahren einen chinesischen Sciencie Fiction Roman vorgeschlagen, Cixin Lius Trilogie, Die drei Sonnen. Ich habe den ersten Band schon hinter mir und mir die beiden Folgebände als Strandlektüre für den Bodensee aufgehoben.

Gerade ist das Buch Hektor Haarkötters Buch, Notizzettel. Denken und Schreiben im 21.Jahrhundert, Frankfurt 2021 (Leseprobe) erschienen. Haarkötters erzählt sehr spannend, wie Philosophen und Schriftsteller ihre Werke mit Hilfe von Karteikarten, Notizzetteln, Fragmenten und Bierdeckelnotizen schreiben. Bei mir gehört zu diesem Thema die Erinnerung an eine wunderbare Ausstellung im Literaturarchiv Marbach über Zettelkästen.

Edmund de Waal hat vor Jahren eines meiner Lieblingsbücher geschrieben: Der Hase mit den Bernsteinaugen. Nun ist eine Art Folgeband erschienen, bisher nur auf englisch: Letters to Camondo (Kritik). Darin erzählt er vom Schicksal einer jüdischen Intellektuellen- und Kunstsammlerfamilie in Frankreich. Die meisten Familienmitglieder wurden tragischerweise während der deutschen Besetzung Frankreichs deportiert.

Wer im Sommer zum Lesen an einen voll besetzten Mittelmeerstrand reist, dem sei wärmstens dieses Buch von Wassili Golowanow empfohlen: Die Insel oder Rechtfertigung sinnlosen Reisens (Verlagsanzeige). Der Journalist will seinem bisherigen Leben entkommen und reist auf eine kaum bewohnte Insel im Polarmeer. Er führt Tagebuch, erzählt von seinen Krisen, von der Kälte und von der Rentierjagd.

Der Mannheimer Germanist Jochen Hörisch hat eine Kulturgeschichte der Hände vorgelegt: Jochen Hörisch, Hände. Eine Kulturgeschichte, München 2021 (Leseprobe). Kultur ist, was wir mit den Händen erledigen: Schreiben, Klavierspielen, Essen etc. Auch dieses Buch schließt an ein wichtiges Blogthema an: die Unterschiede zwischen dem Schreiben mit der Hand und dem Tippen auf der Tastatur (Handschrift, langsames Schreiben, Luthers Handschrift, Notizbücher, Tippen oder Schreiben).

Auf andere Leseempfehlungen bin ich stets neugierig. Bitte schreiben Sie mir Ihre Tips in die Kommentare. Ich freue mich darauf.

Veröffentlicht unter Kultur | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Dante und die edlen Frauen von Ravenna

In der Reihe „Kunst und Kirche“ findet am Sonntag, 4.7. 2021, 15.30 Uhr wieder eine Führung statt. Dabei geht es um ein Bild des „Deutschrömers“ Anselm Feuerbach: „Dante und die edlen Frauen von Ravenna“. Es wird gehen um die Italien-, Rom- und Renaissanceliebe deutscher Maler im 19. Jahrhundert, um die deutsche Künstlerkolonie in Rom, um das Leben Anselm Feuerbachs und selbstverständlich auch um den Dichter Dante Alighieri, dessen 700. Todestag wir in diesem Jahr begehen, und um sein bedeutendstes Werk, die ‚Göttliche Komödie‘.

Die Führung findet online über Zoom statt, sodaß nicht nur Karlsruher teilnehmen können.

Herzliche Einladung: Hier geht es zur Anmeldung.

Veröffentlicht unter Kultur | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Oberwald II

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Neues Buch: Zwischen Raum und Reim

Große Freude: Gerade ist beim LIT-Verlag in Münster mein neues Buch: Zwischen Raum und Reim erschienen. Es enthält Studien zur Kulturtheologie zu Leonard Cohen und Franz Schubert, zu Fernando Pessoa und Alfred Döblin, zur Museumskultur (am Beispiel der Kunsthalle Karlsruhe) und zur theologischen Raumkultur (am Beispiel von Paris) und anderes mehr. Hier kann man das Inhaltsverzeichnis herunterladen. Das ausführliche Inhaltsverzeichnis kann bei http://www.academia.edu eingesehen werden.

Ich freue mich über jeden, der einen Blick in das Buch wirft.

Wolfgang Vögele, Zwischen Raum und Reim. Fallstudien zur Kulturtheologie, Theologische Orientierungen 44, Münster u.a. 2021, 400 Seiten

Veröffentlicht unter Bücher, Kultur, Theologie | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Oberwald I

Veröffentlicht unter Fotos | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Union Karlsruhe?

Das Jubiläum der Unionsurkunde der Badischen Landeskirche wird ja von einer Marketingkampagne begleitet, die ganz unterschiedliche Bilder für die neue Abendmahlsgemeinschaft in den Vordergrund stellt: Fußballfans, die sich verbrüdern; Chöre, die zugleich polyphon und unisono singen (was gar nicht möglich ist); Atome, die sich ionisieren oder de-ionisieren. Alle diese Bilder haben etwas merkwürdig Schiefes an sich und überspringen je auf ihre Weise die historischen Ereignisse und vor allem ihre theologische Deutung. In der neuen Nummer der Zeitschrift tá katoptrizómena habe ich einen gerade erschienen Band von Johannes Ehmann und anderen rezensiert, der sich den historischen Ereignissen und ihrer Deutung auf adäquate Weise stellt.

Und es stellt sich vielstimmigeins heraus: Mit Fußball hat das alles nichts zu tun.

Johannes Ehmann, Gottfried Gerner-Wolfhard (Hg.), 200 Jahre Vereinigte Evangelische Landeskirche in Baden 1821-2021. Geschichte. Gottesdienst. Gemeinde, Sonderveröffentlichungen des Vereins für Kirchengeschichte Bd. 12, Neulingen 2020

Veröffentlicht unter Allgemeines, Theologie | Verschlagwortet mit , , , , , | 3 Kommentare