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Erst jetzt habe ich einen Vortrag von Thies Gundlach entdeckt, der sich mit neuen Konzepten der Citykirchenarbeit auseinandersetzt. Gundlach ist Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes und arbeitete davor als Pfarrer an einer Hamburger Hauptkirche.
Mir gefällt zweierlei an diesem Vortrag. Das ist eine ist die angemessene Wertschätzung für die Ortsgemeinde:
Dabei geht es aber gerade nicht um die Auflösung oder Abschaffung der Ortsgemeinden, sie brauchen unbedingt die intensive Förderung und Fortentwicklung der Gesamtkirche. Aber da die heutige Form der Ortsgemeinde eine Entwicklung des 19. Jahrhunderts ist, die das ländliche Familienmodell der Vertrautheit auf die städtische Situation übertrug, lässt ihre existentielle Bindungskraft im Individualismus des 21. Jahrhundert unvermeidlich nach. Die inhaltliche bzw. anlassbezogene Erweiterung und Fortentwicklung der Ortsgemeinde ist darum zugleich dessen Überlebenschance. (…) Wir brauchen auch heute wieder solche überzeugenden Inseln eindrucksvoller Kirchlichkeit, denn diese gelungenen Inszenierungen stärken die missionarische Ausstrahlung, die theologische Erkennbarkeit, die kommunikative Bindungskraft und die finanzielle Leistungskraft.
Das ist der Hintergrund, vor dem Gundlach neue Ideen für die Gemeindearbeit in der Stadt wirbt. Darin er sieht er eine vierte soziale Gestalt der Kirche. Auch dem kann man zustimmen, wenn das eine nicht gegen das andere ausgespielt wird:
Nach meiner Überzeugung braucht die evangelische Kirche neben der Ortsgemeinde als Grundform eine moderne Art der „vierten Sozialgestalt der Kirche“, also eine „Gemeinschaft“ von berufenen Menschen, die sich dem zufälligen und ungeübten, dem situativ auftauchenden und nur gelegentlich die Sehnsucht nach Glauben lebenden Gast im Hause Gottes widmet.
Was es in manchen deutschen Städten ansatzweise schon gibt (und in anderen Ländern viel weiter entwickelt ist), nämlich Stadtklöster oder Vesperkirchen, Tourismusgemeinden oder soziale Netzwerke, sollte als eine Art vierte Sozialgestalt der evangelischen Kirche neben Ortskirche, Partikularkirche und Universalkirche zu stehen kommen.
Gundlach fragt nach den Kirchenbesuchern, die nur gelegentlich vorbeikommen. Sie für den Glauben zu begeistern, dazu braucht es ein christliches Zeugnis, das sich auf die Unmittelbarkeit und Kürze dieses Kontaktes einstellt. Gelegenheitsbesucher interessieren sich nicht für Strukturreformen. Ich interessiere mich übrigens auch nur deshalb dafür, sofern mir diese Diskussion aufgezwungen wird.
Martyria als Thema des Zeugnisgebens vom Glauben ist im Blick auf die situative Gemeinde dahingehend zu verstehen, dass mit dem Gelegenheitsbesucher eine Dimension in den Blick kommt, die nicht zuletzt durch die vielen Strukturreformen und Konzentrationen auf interne Problematiken fast zur bedrohten Art in unserer Kirche geworden ist, nämlich der geistlich suchende, spirituell neugierige, theologisch interessierte Mensch unserer Tage. Immer mal wieder trifft die „Kirche bei Gelegenheit“ auf Menschen, die uns mit offenen Fragen nach Sinn und Bedeutung, nach Seelentiefe und Nachhaltigkeit zuhören, bereit sich berühren zu lassen. Je mehr wir uns aber mit uns selbst und den internen Fragen beschäftigen, umso weniger erreichen wir diesen Typ (…).
Der ganze, lesenswerte Vortrag von Gundlach steht hier.
Veröffentlicht unter Gemeinde, Theologie
Verschlagwortet mit Citykirche, Gemeindeaufbau, Kirche bei Gelegenheit, Thies Gundlach
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Bauen für alte Menschen
In den letzten Monaten sind in der Gemeinde oder in ihrem Umfeld zwei neue Pflegeheime eröffnet worden: das Friedensheim in der Redtenbacherstraße und das Luisenheim in der Kochstraße. Dort finden auch regelmäßig Gottesdienste in der Kapelle statt.
In der FAZ vom 13.Mai steht nun ein interessanter Artikel über die Versuche von Architekten, sich auf die Wohnbedürfnisse von dementen alten Menschen einzustellen. Ebenfalls interessant ein Artikel in der NZZ über Altern in Japan von Florian Coulmas. Der Japanologe erzählt von einem Hundertjährigen, Herrn Hinohara, der mit Ratgeberbüchern und Lebensweisheiten für das Alter Geld verdient. Coulmas zieht das folgende Resümee:
Die phänomenale Bevölkerungsalterung bringt, was das betrifft, neue Anforderungen mit sich. Menschen, als Individuen und als Gruppen, sind nicht sehr gut darin, lange vorauszuplanen, denn bei einer Lebenserwartung, die noch in römischer Zeit durchschnittlich nur ungefähr 25 Jahre betrug, war für das Überleben immer das Hier und Jetzt von überragender Bedeutung, langfristige Voraussicht also kein wirklicher Evolutionsvorteil. Erst der Quantensprung der Lebenserwartung im 20. Jahrhundert hat das geändert. Er hat weiten Kreisen der Bevölkerung praktisch über Nacht zusätzliche Jahrzehnte Lebenszeit beschert, mit denen sie noch nicht sinnvoll umzugehen gelernt haben. Den 30-Jährigen fällt es schwer, für ihren 100. Geburtstag zu planen, obwohl sie gute Chancen haben, ihn zu erleben.
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Verschlagwortet mit Alter, Architektur, Demenz, lebenslanges Lernen, Lernen
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Blaue Augen
Am letzten Freitag ist der Bariton Dietrich Fischer-Dieskau gestorben. Hier eine Aufnahmem mit einem Mahlerlied aus dem Jahr 1952, aus den Liedern eines fahrenden Gesellen.
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Verschlagwortet mit Dietrich Fischer-Dieskau, Gustav Mahler
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Der Himmel geht über allen auf
Der Predigttext für den Himmelfahrtstag kommt aus der Offenbarung des Johannes. Genau genommen spricht Johannes nicht von der Himmelfahrt, sondern von der Rückkehr des Auferstandenen auf die Erde. Das ist aber nicht die einzige Besonderheit dieses ungewöhnlichen Briefes, mit dem sich Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asia wendet:
„Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien:Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen. Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.“
Der Auferstandene kehrt auf die Erde zurück. Er ist an den Wundmalen an Händen und Füßen als der Gekreuzigte zu erkennen. In der Christuskirche in Karlsruhe sehen wir das im Zentrum der Rosette. Dort ist der segnende auferstandene Christus zu sehen. An den zum Segen erhobenen Händen erkennt man die Wundmale der Nägel durch die Kreuzigung. Und dieser Christus, der vom Himmel kommt, wird seine Macht zeigen, nicht die Macht der Gewalt oder die Macht der Überbietung, sondern die Macht der Liebe. Wichtig erscheint mir: Das ist ein öffentlicher Vorgang, das geschieht nicht im stillen und Verborgenen. Den Auferstandenen sehen nicht nur die Glaubenden, sondern alle. Im auferstandenen Christus empfangen die Menschen eine Kraft, die sie verwandelt.
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Verschlagwortet mit Allgegenwart Gottes, Auferstehung, Himmelfahrt, Kreuz, Predigt, Theologie
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