Das Ende der Deutungen

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Der Feuilletonchef der NZZ, Martin Meyer hat in der NZZ vom letzten Samstag einen interessanten Essay über “Das Ende der Lesbarkeit” verfaßt. Die Welt ist so komplex und unübersichtlich geworden, sagt er, daß alle Versuche einer konsistenten Deutung scheitern müssen. Was aber bleibt, wenn nichts mehr gedeutet werden kann? Im Anschluß an den New Yorker Politologen Marc Lilla antwortet Meyer: Es bleibt nur noch der Liberalismus, das schrankenlose Individuum, das sich selbst und seine Freiheit feiert.

Der nachdenkliche Ernst konservativ-liberaler Orientierung im Widerstand gegen die Systemideologien von links hat sich nach deren Kollaps in munter-grelle Karikatur verwandelt – in die Billigvariante des Laisser-faire, zu deren Adepten sich nach Lilla etwa Minimalstaat-Apologeten, Absolutisten in Sachen Bürgerrechte, Evangelisten des ungebremsten Wachstums, die Waffenlobby, natürlich die Vertreter der Chicago School of Economics und sogar Pornoproduzenten zählen sollen.

Das aber ist zu wenig. Entgegenzusetzen wäre dem, so Meyer, eine “gedämpfte Vernunft”, die gegenüber den Idealen von Universalität, Menschenrechten und Demokratie kompromißbereit ist. Wie weit solche Kompromißbereitschaft reichen kann, das wäre zu diskutieren.

Im übrigen: Die These vom Ende der Lesbarkeit (der Welt) wäre auch einmal auf die verbreitete kirchliche Neigung zum Übertreiben von Deutungen, also zu Schwarz-Weiß-Malerei, zum Denken in Gut und Böse anzuwenden.

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Viaggio Siciliano III: Erice

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Frackzwang

Fotograf: J.Hagelüken

Fotograf: J.Hagelügen

Nachdem ich neulich einmal die Frage gestellt habe, wieso eigentlich Kirchenmusikdirektoren umbedingt ihre Konzerte im Frack dirigieren müssen, habe ich heute bei silvae einen wunderbaren Blogpost über Musiker, vor allem Dirigenten, aber auch Pianisten, und ihre Frack- und Frackvermeidungsgewohnheiten entdeckt. Ich habe ja einmal an diesem ansonsten wirklich großartigen Blog wegen der vielen Posts über Socken, Schuhe und Anzüge herumgemäkelt. Das nehme ich nun in aller Form zurück und behaupte das Gegenteil.

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Tägliche Schreibübung

Tagebücher enthüllen stets etwas, meist dem neugierigen, heimlichen Leser. In der Gegenwart ist diese Dialektik von Enthüllen und Verbergen aufgehoben, sagt der Schriftsteller Kurt Drawert in einem spannenden Essay in der NZZ (Die Tautologie der Indiskretion). Denn wenn alles via Facebook und Twitter schon enthüllt ist, dann bringt das Tagebuch nichts mehr Neues. Aber hat er damit recht?

Wenn alles gepostet und getwittert wird und die belegte Zunge am Morgen sofort auf den Smartphones der tausend Freunde erscheint, welches Tabu gäbe es hier noch zu brechen, welche Geschmacklosigkeit zu überbieten, welche sexuelle Begierde ans Licht einer notorisch unterbefriedigten Öffentlichkeit zu bringen? Die Maske fällt ab und zeigt, dass hinter ihr nichts ist.

Nicht alle unterwerfen sich dem Öffentlichkeitsdiktat von Twitter und Facebook. Außerdem kann es spannend und amüsant sein, in alten Tagebüchern zu lesen (hier ein Beispiel).

 

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Husten, Tuscheln, Luftdirigieren

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Jeder ärgert sich im Konzert über die alten Damen, die stets an den leisen Stellen umständlich den Reißverschluß ihrer Handtasche öffnen, lautstark ein Bonbon herauskramen, so leise (!) wie möglich das knisternde Papier entfalten und dann unter lauten Schmatzgeräuschen ein Bonbon lutschen, während die Musik aus dem Orchestergraben in den Hintergrund der Aufmerksamkeit rückt. Hier der Essay des Schriftstellers Joe Queenan, der sich dagegen und gegen andere Ruhestörungen wehrt. Ich frage mich nur, ob man wirklich denjenigen, die in der Oper eine Baseballkappe tragen, dieselbe herunterschlagen muß.

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Der Toraschreiber

Torarolle (Fotograf: Daniel Tibi)

Torarolle (Fotograf: Daniel Tibi)

Ein Roboter schreibt heilige Texte. Der Schreibautomat ist nun in Berlin aufgestellt worden. Im ZKM in Karlsruhe stand er auch schon. In Karlsruhe schrieb er die Bibel, in Berlin schreibt er nun die 304805 Buchstaben der Tora. Darüber steht in der NZZ ein lesenswerter Essay (Die Seele des Toraschreibers) von Joachim Güntner.

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Bach, Buchstaben und Zahlen

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Schon in der Kabbala war es üblich, aus Buchstaben Zahlen zu machen und aus Addition und anderen Operationen faszinierende Rechnungen zu präsentieren. Wenn man dem Buchstaben A die Ziffer 1 zuordnet, dem B die 2, dem C die 3, dann gewinnt man buchstabierend und rechnend ein Zahlen- und Schriftsystem. Dem Nachnamen BACH können dann die Zahlenwerte 2+1+3+8=14 zugeordnet werden. In der tageszeitung vom 24.7. steht nun ein interessanter Artikel über eine Ausstellung, die sich genau dieser Zahlen-Buchstaben-Theorie bei Johann Sebastian Bach widmet.

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Maribor

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Viaggio Siciliano II: Balestrate

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Saltarelle

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